Home

 

Allgemeine Vererbung von Wellensittichen

Ein Bericht von Sebastian Schütt

 

In diesem Bericht möchte ich Euch einen kleinen Einblick in die Vererbungslehre der Wellensittiche gewähren.

Als erstes möchte ich mich mit der Farbvererbung auseinandersetzten und es so weit wie möglich mit Bildern versuchen zu erklären, bevor ich mich mit den Begriffen "dominat, rezessiv, geschlechtsgebunden und spalterbig" auseinandersetzte.

Als Grundsatz möchte ich ein paar Abkürzungen erläutern, damit das lesen und verstehen einfachen wird:

  • 1,0  = Hahn ( Männchen )

  • 0,1  = Henne ( Weibchen )

  • -/-    = spalterbig*    *wird unter Regel 2 erläutert

  • GG  = geschlechtsgebundene vererbende Mutation

  • dom = dominant vererbende Mutation

  • Rez = rezessiv vererbende Mutation

  • x      = verpaart mit

  • 1F   = einfaktorig

  • 2F   = doppelfaktorig

 

Dann kann es jetzt ja losgehen...............

 

1. Regel über die Farbstufen ( Regel 1)

Bei Wellensittichen wird die Körperfarbe in  2 Farbreihen unterteilt, die Grün- und die Blaureihe. Zur Grünreihe zählen auch Graugrüne und Lutinos, zur Blaureihe auch Graue und Albinos.

Innerhalb der beiden Farbreihe gibt es bei Wellensittichen 3 Farbstufen in die unterteilt wird: Hell – Mittel – Dunkel

In Verbindung mit den Farbreihen gibt es also folgende Grundfarben:

         
Farbstufen   Grünreihe   Blaureihe
         
Hell   Hellgrün   Hellblau
         
Mittel   Dunkelgrün   Dunkelblau
         
Dunkel   Oliv   Mauve

Die Verpaarung zweier Wellensittiche ergibt aufgrund dieser Farbstufen folgendes Ergebnis:
 


Hell x Hell = 100 % Hell

Beispiel aus dem Alltag: 2 Töpfe weiße Farbe miteinander vermischt, bleibt immer 100% Weiß

Hell x Mittel = 50 % Hell, 50% Mittel

Hell x Dunkel = 100 % Mittel

Beispiel aus dem Alltag: 1 Topf weiße Farbe + 1 Topf schwarze Farbe miteinander vermischt, wird immer 100% grau sein, d.h. genau in der Mitte von Weiß und schwarz liegen

Mittel x Mittel = 25% Hell, 50% Mittel, 25% Dunkel

Dunkel x Mittel = 50% Dunkel, 50% Mittel

Dunkel x Dunkel = 100% Dunkel

Beispiel aus dem Alltag: 2 Töpfe schwarze Farbe miteinander vermischt, bleibt immer 100% Schwarz

Wichtig: Diese 1. Regel gilt für die Ergebnisse jeder Wellensittichverpaarung, unabhängig von der Farbe oder Mutation. Dabei sollte man eines nicht verwechseln zwischen der "Dunkelstufe" und der "Farbbezeichnung Dunkelgrün bzw. Dunkelblau", denn die gehören wie in der Tabelle gesehen der Mittelstufe an

 

2. Regeln über die Farbreihen ( Regel 2 )

Wie schon unter 1. erläutert unterteilt man die Farbstufen in die Gründ- und Blaureihe. Hier gilt eine Grundregel:

Grün vererbt dominant gegenüber blau und gelb

Blau vererbt dominant gegenüber weiß

Das bedeutet: ein grüner Sittich kann daher spalterbig* in blau sein aber ein blauer Sittich nie spalterbig* in grün.

 

Daraus ergeben sich folgende Verpaarungsergebnisse:

Grün x Grün = 100% Grün

Grün x Blau = 100% Grün/blau (Grüne, die spalterbig* in blau sind. Spalterbige* werden mit dem " / "  zwischen den Farben beschrieben)

Blau x Blau = 100% Blau

Im vorstehenden Verpaarungsergebnis ist es gleichgültig, welcher Elternteil welche Farbe trägt, da es sich ja um eine dominante Vererbung handelt

* spalterbig bedeutet, dass das Tier eine genetische (hier auf die Farbe bezogene) Eigenschaft  im Erbgut trägt, sie aber nicht äußerlich erkennbar ist. Auf die Farbreihe oben bezogen, kann z.B. ein äußerlich grüner Sittich bei  Verpaarung mit einem blauen Sittich, blaue Nachkommen zeugen, sofern er Spalt in blau ist.

Wenn wir uns jetzt mit der Regel 1 und 2 auseinandergesetzt haben, können wir jetzt als Beispiel folgende Verpaarung berechnen:

Praxisbeispiel:

Eltern = Dunkelblau x Dunkelgrün

Regel 1: dunkel

 Regel 2: grzhgkl

Aus Regel 1 folgt:    25% Hell

                               50% Mittel

                                 25% Dunkel

Aus Regel 2 folgt:  100% Grün/Blau

Die zu erwartenden Jungvögel haben also folgenden Farben:

25% Hellgrün/blau

50% Dunkelgrün/Blau

25% Olivgrün/Blau

 

3. Regel über die rezessive Vererbung ( Regel 3 )

Außer der dominanten Vererbung aus Regel 2, gibt es Farbschläge, die rezessiv gegenüber Nichtrezessiven vererben. Zu den  rezessiv vererbenden Farbschlägen gehören:

  • Grauflügel

  • Hellflügel

  • Falben

  • Schwarzaugen

  • Gelbe und Weiße

  • Rezessive Schecken ( war bei dem Namen schwer zu erraten )

 

Auf Grund der Regel 3 gibt es folgenden Verpaarungsmöglichkeiten:


Normal x Rezessiv = 100% Normal/rezessiv


Normal/rezessiv x Rezessiv = 50% Normal/rezessiv, 50% Rezessiv


Normal/rezessiv x Normal/rezessiv = 25% Normal, 50% Normal/rezessiv, 25% Rezessiv


Normal/rezessiv x Normal = 50% Normal/rezessiv, 50% Normal

Auch hier spielt es keine Rolle welcher Elternteil den rezessiven Faktor trägt.

 

Unter Berücksichtigung der bis jetzt erlernten Regeln 1 - 3, können wir als Beispiel folgende Verpaarung berechnen:

Praxisbeispiel:

Eltern = Normal Hellgrün/Rezessive Schecke x Rez. Schecke Dunkelblau

Regel 1: dun´kel

Regel 2: dun´kel

Regel 3: du´nkel

Aus Regel 1 folgt:     50% Hell

                               50% Mittel

Aus Regel 2 folgt:  100% Grün/Blau

Aus Regel 3 folgt:    50% Normal/Rez.

                        50% Rezessiv

Man kann an dieser Stelle schon deutlich sehen, wie viele Möglichkeiten an Farbe bzw. Zeichnungen die Jungvögel erwarten lassen.

Möglichkeiten aus Regel 1 = 2 Stück

Möglichkeiten aus Regel 2 = 1 Stück

Möglichkeiten aus Regel 3 = 2 Stück

Bildet man nun das Produkt aus den Möglichkeiten 2 x 1 x 2 = 4, bedeutet das, dass man 4 Farben bzw. Zeichnungen bei den Jungvögeln erhält:

25% Hellgrün/Blau + Rez. Schecke

25% Rez. Schecke Hellgrün/Blau

25% Dunkelgrün/Blau + Rez. Schecke

25% Rez. Schecke Dunkelgrün/Blau

 

4. Regel über die geschlechtsgebundene Vererbung ( Regel 4 )

Wie schon der Name sagt, spielt bei der geschlechtsgebundene Vererbung beim Gebrauch der Formeln die Geschlechter der Eltern eine Rolle. Bei der geschlechtsgebundenen Vererbung können nur die 1,0 ( Hähne ) den Erbfaktor tragen.

Wichtig: Eine 0,1 ( Henne ) kann nie spalterbig in einer geschlechtsgebundenen Eigenschaft sein.

Folgende Farbschläge vererben geschlechtsgebunden:

  • Inos ( Lutions und Albions )

  • Zimter

  • Opaline

  • Lacewing

  • Clearbodys

  • Schiefer

 

Auf Grund der Regel 4 gibt es folgenden Verpaarungsmöglichkeiten:

1,0 GG             x  0,1 GG       = 50% 1,0 GG+50% 0,1 GG

1,0 Normal       x  0,1 GG       = 50% 1,0 Normal/GG+50% Normal

1,0 GG             x  0,1 Normal = 50% 1,0 Normal/GG+50% GG

1,0 Norm. GG x 0,1 Normal    = 25% 1,0 Norm./GG+25% 1,0 Norm.+25% 0,1 GG +25% 0,1 Normal             

1,0 Normal GG x 0,1 GG        = 25% 1,0 GG+25% Norm./GG+25% 0,1 Norm.+25% 0,1 GG

 

Unter Berücksichtigung der bis jetzt erlernten Regeln 1, 2 und 4 können wir als Beispiel folgende Verpaarung berechnen:

Praxisbeispiel:

Eltern = 1,0 Hellblau/Opalin x 0,1 Opalin Olivgrün/Blau

Aus Regel 1 folgt:  100% Mittel

      Aus Regel 2 folgt:    50% Grün/Blau

                           50% Blau

 Aus Regel 4 folgt:     25% 1,0 GG

                                        25% 1,0 Normal/GG

                                   25% 0,1 Normal

                              25% 0,1 GG 

Ermittlung der Zahl der Möglichkeiten:

Regel 1 = 1 Stück

Regel 2 = 2 Stück

Regel 4 = 4 Stück

Produkt aus 1 x 2 x 4 = 8. Das heißt es kommen 8 Möglichkeiten vor, und zwar:

12,5% 1,0 Opalin Dunkelgrün/Blau

12,5% 1,0 Dunkelgrün/Opalin + Blau

12,5% 1,0 Opalin Dunkelblau

12,5% 1,0 Dunkelblau/Opalin

12,5% 0,1 Dunkelgrün/Blau

12,5% 0,1 Opalin Dunkelgrün/Blau

12,5% 0,1 Dunkelblau

12,5% 0,1 Opalin Dunkelblau

 

An dieser Stelle möchte ich die Ermittlung der Prozentsätze, die natürlich rein theoretisch sind, erläutern.

Bezogen auf das obige Beispiel errechnen sich die % Sätze wie folgt:

Aus Regel 1: 100% Vögel der Mittelstufe

Aus Regel 2: davon je 50% Grün/Blau und 50% Blau,

das heißt das ohne Berücksichtigung der Regel 4, 50% Grün/Blau und 50% in Blau vorkommen.

Aus Regel 4: Aufteilung in 4 x 25% aufgrund der geschlechtsgebundenen Vererbung,

das heißt 25% der Wellensittich in Grün/Blau sind z.B. Opalin Dunkelgrün/Blau

oder        25% von 50% = 12,5%

 

5. Regel für die Faktoren ( Regel 5 )

Faktorigkeit ist eine dominante Eigenschaft, die von Wellensittich entweder einfach ( 1F ) oder doppelt ( 2F ) getragen werden kann.  Bei den 2F hellen die Farben sehr stark auf, so das der Wellensittich immer heller wird. Daher kommt es manchmal zu Verwechslungen zwischen 2F Spangels in gelb oder weiß mit den farblich fast gleich aussehenden Inos (Lutions oder Albinos) und den Schwarzaugen.

Man sprich von "Faktorigkeit" bei:

  • Graugrün

  • Grau

  • Australische Schecken

  • dominante kontinentale Schecken

  • Violetten

  • Hauben

  • Gelbgesichtern

  • Spangels

  • Anthraziten

Wichtig: Alle "Faktorigen" sind dominant

Auf Grund der Regel 5 gibt es folgenden Verpaarungsmöglichkeiten:

2F x Normal = 100% 1F

1F x Normal = 50% 1F + 50% Normal

2F x 1F = 50% 2F + 50% 1F

1F x 1F = 50% 1F + 25% 2F + 25% Normal

2F x 2F = 100% 2F

Unter Berücksichtigung der bis jetzt erlernten Regeln 1, 2 und 5 können wir als Beispiel folgende Verpaarung berechnen:

Praxisbeispiel:

Eltern:  Hellblau x Dunkelgraugrün/Blau 1F

Aus Regel 1 folgt: 50% Hell

                            50% Mittel

Aus Regel 2 folgt: 50% Grün/Blau

                  50% Blau

Aus Regel 5 folgt: 50% 1F

                                50% Normal

Ermittlung der Zahl der Möglichkeiten:

Regel 1 = 2 Stück

Regel 2 = 2 Stück

Regel 5 = 2 Stück

Produkt aus 2 x 2 x 2 =8. Das heißt es kommen 8 Möglichkeiten vor, und zwar:

12,5% Hellblau

12,5% Hellgrau 1F/Blau

12,5% Hellgrün/Blau

12,5% Hellgraugrün 1F/Blau

12,5% Dunkelblau

12,5% Dunkelgrau 1F/Blau

12,5% Dunkelgrün/Blau

12,5% Dunkelgraugrün 1F/Blau

 

Dies war nur ein kleiner Ausflug in die Vererbungslehre des Wellensittichs.......

Ich hoffe es war ein kleine Hilfestellung zum Verstehen lernen der vielen bunten Farben dieser lustigen Vögel

©2013 - Anthrazitwellensitticht-Zucht