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 Ernährungshilfe für Wellensittiche, Trockenfutter

Ein Bericht von Anja Schütt

 

Das Thema Ernährung ist wahrscheinlich schon so alt, wie der Wellensittich domestiziert ist. Trotzdem möchte ich hier gern noch einmal einige wichtige Punkte zusammenfassen.

 

Hauptbestandteil der Ernährung bildet eine Samenmischung aus Glanz- oder Spitzsaat, Nackthafer, Bluthirse, Silberhirse, Senegalhirse, Negersaat und Leinsamen. Diese Futtermischungen können fertig gemischt von einer vielfältigen Anzahl bekannter Futtermittelhersteller im Supermarkt oder Zoofachhandel gekauft werden. Jedoch ist hier zu beachten: Oftmals ist diesen Mischungen ein Anteil an Biskuit beigemischt, umgangssprachlich auch als „zusammengefegte Bäckerstube“ bezeichnet. Heißt im Umkehrschluss: es werden trockene, zuckerhaltige Bäckerabfallprodukte gemischt. Diese können die Wellensittiche aber verfetten lassen, auch bei regelmäßigem Freiflug. Es bilden sich so genannte Lipome, am Anfang gutartige Fettpölsterchen. Diese können jedoch bei weiteren Verwachsungen zum Tod des Vogels führen. Auch droht eine Verfettung der inneren Organe, welches wiederum zu Organversagen führt.

 

In Fachgeschäften oder diversen Online-Shops können jedoch fertige Einzelsaaten zum selber Mischen, oder aber aus Einzelsaaten hergestellte Mischungen erworben werden.

Ich führe hier mal ein Beispiel für das Mischungsverhältnis auf, welches aber keine Musterlösung, sondern lediglich ein Richtwert ist:

45 % Glanz (andere Bezeichnung: Kanariensaat, Spitzsaat), 15 % Silberhirse, 15 % Platahirse (andere Bezeichnung Senegalhirse), 10 % Japanhirse, 5 % Bluthirse, 5 % Nackthafer, 5 % Negersaat

 

Glanz Silberhirse Platahirse
Japanhirse Bluthirse Nackthafer
  Negersaat   
     

Aber egal, ob aus dem Zoohandel fertig verpackt, oder eine selbst zusammengestellte Mischung, wichtig ist die Qualität der Samen. Diese lässt sich anhand einer Keimprobe feststellen. Man bedeckt einige Samen mit Wasser und lässt sie ca. 8 Stunden quellen. Dann die Samen gut abspülen und weitere 24 Stunden an einen dunklen, warmen Ort stellen. Jetzt sollten sich Keimlinge gebildet haben. Je mehr Keimlinge sprießen, desto besser ist die Qualität des Futters.

Auf jeden Fall aber sollte niemals eine Mischung verfüttert werden, welche das Verfallsdatum überschritten hat. Ein weiterer Indikator für schlechtes Futter ist ein fauler, muffiger Geruch. Dies ist ein Indiz für Schimmel. Er bildet sich, wenn Futter absolut luftdicht gelagert wird, da auch die „trockenen“ Samen eine gewisse Feuchtigkeit an und in sich tragen, und diese dann nicht entweichen kann. Es haben sich für größere Mengen Futtertonnen, oder für kleinere Portionen Plastikdosen mit Deckel, bzw. Gläser mit Schraubdeckel bewährt. Weiterhin haben alle den Vorteil, dass sie eventuell eingeschleppte Futterschädlinge nicht auf andere Futterkomponenten verteilen.

Wobei wir schon beim nächsten Punkt sind: Futterschädlinge. Diese können an verschiedenen Ursachen erkannt werden. Klebt das Futter zusammen und befinden sich hauchfein Fäden zwischen den Körnern, weist dies zum Beispiel auf die Getreidemotte hin. Auch sehr verbreitet ist die sogenannte Futtermilbe. Auch sie ist schwer zu erkennen, aufgrund ihrer Winzigkeit. Einige Arten sind nachtaktiv. Ich teste es so: Einen lichtundurchlässigen Behälter mit Futter füllen. Dann befestige ich im inneren ein Stück Küchenkrepp. Einige Milben werden von dem Weiß angezogen und besiedeln das Papier. Ich selbst hatte noch nie Milben im Futter. Jedoch ist diese Sache vor allem bei Kolbenhirse schon öfters aufgetreten. Hier gibt’s es aber einen einfachen Trick: Kolbenhirse in einen Plastikbeutel umfüllen, gut verschließen und für 48  Stunden einfrieren. Anschließend auftauen, und alle Milben sind sozusagen schockgefrostet und tot.

Im Zweifelsfall gilt jedoch: Das Futter entsorgen. 1kg Samenmischung kostet zwischen 1,- und 2,50 Euro. Ich denke, es ist zu verschmerzen, wenn Futter aufgrund von Schädlingen oder Schimmel entsorgt wird. Die Gesundheit unserer Lieblinge sollte es uns wert sein.

 

Die Sämereien lassen sich in kohlehydrathaltige (Hirse, Glanz und Hafer) sowie ölhaltige Sämereien (Hanf, Negersaat und Leinsamen) einteilen.

  •   Die kohlehydrathaltigen Samen enthalten ca. 60-70 % Kohlehydrate, 3-4 % Fett und ca. 13 % Eiweiß.

  •   Ölhaltige Sämereien enthalten 25- 35 % Kohlehydrate, 30-40 % Fett und 20-25 % Eiweiß.

 

Die Futtermischungen sollten daher nicht mehr als 5% ölhaltige Samen enthalten, da die Vögel sonst verfetten können.

 

Kolbenhirse:

Sie ist augenscheinlich die Leibspeise der Wellensittiche. Es ist ein Streitthema, ob sie einen hohen oder weniger hohen Fettanteil besitzt. Fakt ist jedoch, dass sie nicht im Übermaß verfüttert werden sollte, da bei einem übermäßigen Angebot die Wellensittiche kein anderes Futter anrühren würden. Sie eignet sich hervorragend als Lockmittel, um Wellensittiche handzahm zu bekommen. Denn oftmals ist die Neugier, das Leckerlie zu erreichen größer als die Angst. Viel wichtiger ist jedoch die Tatsache, dass Kolbenhirse bestens geeignet ist, um kranke oder schwache Vögel wieder aufzupeppeln. Sie wird in 2 Sorten angeboten, als gelbe und rote Kolbenhirse, wobei die rote ein wenig teurer ist. Meine Wellensittiche mögen, entgegen vieler anderer Berichte, die rote Hirse überhaupt nicht. Aber das ist wie bei allem anderen auch, eine Gewöhnungs- oder Geschmackssache.

Leckerlies, wie Knabberstangen und Vogelkuchen:

Sie sind in jeder Zoohandlung erhältlich, in vielen Varianten, mit Ei, Kräuter, oder  Früchten. Die Beschreibungen lesen sich oftmals wie eine Wunderwaffe der Ernährung schlecht hin. Jedoch sollte eines beachtet werden: All diese Futterergänzungen weisen einen sehr hohen Zuckeranteil auf. Die Körner werden mit Honig oder hochprozentiger Zuckerlösung an der Stange / Ring gehalten. Daher sollte die Fütterung nicht allzu oft erfolgen. Ich muss hier sagen, dass ich bei meinen ersten beiden Wellensittichen auch diese Stangen gefüttert hab, da ich es einfach nicht besser wusste. Und hab mich dann natürlich gewundert, warum sie zunehmend dicker und fauler werden. Ich denke, einmal im Monat ist eine Stange okay, aber dies ist ausschließlich meine subjektive Meinung, letztendlich muss es jeder Halter selbst entscheiden. Eine Alternative wären selbstgebackene Welli - Kekse, man kann dazu zahlreiche Rezepte im Internet finden. Aber auch hier werden bei den meisten Honig verwandt. Völlig überflüssig sind meiner Meinung nach, die  sogenannten Welli – Kuchen oder Biskuits. In Form gepresste Teigreste, mit Zucker versetzt und ein wenig verziert. Muss ein Wellensittich so etwas fressen und ist hier nur der Wunsch des Halters vordergründig den Wellensittich zu vermenschlichen? Meine Wellensittiche bekommen regelmäßig Obst und ich denke, dass ich ihnen damit auf gesündere Art und Weise das Leben versüße.

 

Mein Dank gilt an dieser Stelle Jenni von www.lemonbirds.de, die mir freundlicherweise die Bilder zur Verfügung gestellt hat.

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