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Haltungsprobleme richtig erkennen und lösen

Ein Bericht von Anja Schütt


Leider kommt es immer wieder vor, das Wellensittiche, meistens aus Unwissenheit oder fehlender Erfahrung falsch gehalten werden . Nun ist der Wellensittich ein Tier, dass uns durch gewisse Reaktionen oder körperlichen Erscheinungen eindeutige Hinweise auf eine mögliche, fehlerhafte Haltung erteilt. Diese Erscheinungsbilder muss man kennen und deuten können, deshalb möchte ich mich heute hier diesem Thema widmen.

Um eine gewisse Übersichtlichkeit in diesem Bericht zu erlangen, werde ich ihn pro Unterthema in die Abschnitte: Problem, mögliche Ursachen und Abhilfe einteilen.



Federrupfen:


Problem: Das Federrupfen wurde bisher vorwiegend bei Großsittichen beobachtet, ist jedoch auch schon bei Wellensittichen des öfteren in Erscheinung getreten. Die Vögel reißen sich einfach die Federn komplett aus. Dies kann soweit führen, dass sie regelrecht kahle Stellen aufweisen, vor allem am Kopf.. Das Federrupfen ist schmerzhaft für den Vogel und bereitet ihm Qualen. Jedoch nimmt er den Schmerz in Kauf um sich „Linderung“ bei einer Erkrankung zu verschaffen oder sein seelisches Ungleichgewicht zu kompensieren.


Mögliche Ursache: Hier können sowohl physische, als auch psychische Störungen vorliegen. Eine physische Erkrankung ist in erster Linie eine Erkrankung des Stoffwechsels, Mangelerscheinungen oder eine Erkrankung durch Parasiten. Diese sind mit dem Gang zum Tierarzt verbunden und können im Regelfall auch erfolgreich behandelt werden. Schwerwiegender sind oftmals psychische Ursachen. Der Beginn zeigt sich oftmals beim Verlust des geliebten Vogelpartners, je kleiner der gehaltene Schwarm, desto häufiger ist dieses Bild zu beobachten. Aber auch Wellensittiche welche allein gehalten werden, zeigen diese Symptome. Dies ist einer der wichtigsten Gründe, der gegen die Einzelhaltung von Wellensittichen spricht.


Abhilfe: Als erstes sollte der Vogel zu einem vogelkundigen Tierarzt gebracht werden, der eine Krankheit ausschließt, oder aber erkennt und behandelt. Deuten die Ursachen eher auf o.g. Umstände hin, ist je nach Situation Abhilfe zu schaffen. Der Vogel sollte ein Partner bekommen. Generell sollte er, auch wenn ein neuer Partner angeschafft wurde, von Seitens des Halters gut beobachtet, und ihm viel Aufmerksamkeit geschenkt werden.



Aggressionen:


Problem: mehrere Wellensittiche leben miteinander und vertragen sich nicht. Die Tiere reagieren aufeinander, aber auch dem Halter gegenüber aggressiv .Der Halter ist hier gefordert seine Wellensittiche sehr genau zu beobachten. Er muss ganz klar entscheiden, ob es sich um liebevolle Rangeleien oder tatsächlichen Aggressionen handelt. Diese Entscheidung sollte auch zügig getroffen werden, bevor „Blut fließt“


Mögliche Ursache: Der Vogel ist nichts anderes als ein Mensch, oder der Mensch ist ein Vogel. Soll heißen es ist sehr menschlich, beziehungsweise Wellensittich das man sich einfach mal „nicht riechen kann“. Dies ist jedoch, wenn überhaupt, nur bei kleineren Schwärmen der Fall. Oftmals ist für den Halter das Problem für die Aggressionen relativ gut zu erkennen. Habe ich inzwischen zu viele Vögel und mein Käfig ist zu klein? Sitzt Nachbars Katze mal wieder auf dem Fensterbrett? Es kommt auch vor, das geschlechtsgleiche Vögel untereinander aggressiv auftreten.

So können sich zwei Hennen sehr rigoros um eine Nisthöhle oder einen Nistkasten streiten .Unter Hähnen kann es zu regelrechten Schnabelduellen kommen, wenn diese um ein Weibchen balzen.


Abhilfe: Wenn sich 2 Wellensittiche absolut nicht vertragen, den Fall in einer angemessenen Zeit beobachten. Soll heißen, nicht zu früh entscheiden, aber auch keine Verletzungen durch unnötig langes Zögern riskieren. Im Zweifelsfall muss über einen neuen Partner oder Zuwachs entschieden werden. Dies bedeutet nicht immer zwangsläufig, dass der aggressive Vogel abgegeben werden muss. Dieser Schritt sollte nur im absoluten Ausnahme - und Extremfall in Betracht gezogen werden. Ein einfaches Rechenbeispiel: Es werden 2 Wellensittiche gehalten, von denen einer aggressiv ist. NIEMALS den Problemfall abgeben und zu Einzelhaltung wechseln. Besser 2 Wellensittiche dazu holen und dabei auf ein ausgeglichenes Geschlechterverhältnis achten. Es streiten sich noch immer die Gelehrten, ob in kleinen Schwärmen ungerade Anzahlen praktikabel sind. Manchmal klappt dies. Die Erfahrung hat jedoch gezeigt das im kleinen Schwarm ungleiche Geschlechtsverhältnisse zu Problemen führen können. Daher lieber 4 Wellensittiche, als 3.

Ist der Schwarm ohnehin schon größer, also ab 6 Wellensittichen oder mehr, und man hat einen „Stänkerer“ dazwischen, sollte der Halter seine Einstellung, aber auch sein vorhandenes Equipment prüfen, ob er noch ein Tier „vertragen“ kann. Oftmals glättet frisches Blut die Aufregung. Wobei ich gleich nahtlos zur Käfiggröße überschwenken will. In der freien Natur, dies sagt das Wort schon, sind Wellensittiche im Schwarm frei. Wer sich nicht mag geht sich aus dem Weg. Aber ein zu kleiner Käfig/Voliere kann die artigsten Wellensittiche zu Aggressionen treiben, erst recht, wenn nicht genügend Freiflug zur Verfügung steht. Hier muss der Halter ganz einfach ehrlich zu sich selbst sein, und mit mehr Freiflug, aber auf jeden fall mit einem größeren Käfig/Voliere Abhilfe schaffen.
Balzende Hähne sehen in ihren Aggressionen oftmals gefährlich aus. Jedoch ist hier die Sache relativ schnell erledigt. Irgendwann gibt ein Hahn auf, und der stärkere setzt einen Fuß auf die Brust des schwächeren und stößt ihn weg.
Bei Hennen, welche sich um eine Brutmöglichkeit streiten, nun man muss ganz einfach mehr Nistkästen/-Höhlen zur Verfügung stellen.

Der geneigte Leser wird feststellen, das ich hier lange nicht alle Ursachen für Aggressionen aufgeführt habe, da die Möglichkeiten einfach zu vielfältig sind. Das A und O für jeden Halter ist es, das Problem eingehend zu betrachten. Ist man sich der Ursache nicht sicher, so kann es nie schaden, andere Halter, Züchter oder den Tierarzt um Rat zu fragen.



Wunde Füße

Problem: Der Vogel / Die Vögel haben rötlich bis lilafarbene Schwielen unter und an den Füßen. Sie tribbeln auf der Stange hin und her, stehen unsicher und ziehen abwechselnd die Füße ein, obwohl sie nicht den Rest der im ersten Blick anzunehmenden Ruheposition einnehmen.


Mögliche Ursache: Die Sitzstangen. Verpönt und gesundheitlich schädlich sind Sitzstangen aus Plastik, sowie solche, die mit Sandpapier ummantelt sind. Auch die im Handel angebotenen einheitlich gedrechselten Holzstangen sind keine Hilfe. Alle sind in ihrer Form und Oberfläche zu einheitlich und zu glatt. Der Vogelfuß wird durch den glatten Untergrund angescheuert, es entstehen Schwielen. Auch kann es zu Muskel - und Sehnenschwächen in den Gelenken kommen.


Abhilfe: Das Wechseln der Stangen. Es eignen sich fast alle Naturhölzer. Die Füße stehen so auf unebenen Grund, die Gelenke werden trainiert. Einfach unterschiedliche Stärken von Ästen benutzen, aber mindestens so dick, das der kleinste Vogelfuß im Schwarm sich nicht komplett um den Ast schließen kann. Bei der Auswahl der Äste darauf achten, dass sie nicht schadstoffbelastet sind, also Bäume von Straßenränder meiden.

 Die gesammelten Äste zuschneiden, mit einem heißen Wasser-Apfelessig-Gemisch und einer Wurzelbürste reinigen. Trocknen lassen, fertig. Auch während der Benutzung ist diese Methode der Reinigung angebracht. Angenehmer Nebeneffekt: Wellensittiche knabbern und schreddern sehr gern an natürlichen Ästen. Die Schwielen an den Füßen können mit herkömmlicher Wundsalbe versorgt werden. Sollten die Wunden jedoch größer und blutiger sein, bitte einen Tierarzt aufsuchen.


Spielzeug als Ersatzpartner:

Problem: Der einzeln gehaltene Wellensittich umbalzt sein Spielzeug, meist ein Wellensittich aus Plastik oder ein Spiegel und versucht es zu begatten.

Ursache: Der Wellensittich verhält sich gegenüber dem Spielzeug, als wäre es ein lebendiger Partner. Er krault, liebkost und bezwitschert den „künstlichen Partner“ Weiterhin wird der Wellensittich versuchen, das Spielzeug zu füttern. Aber der Plastik – oder Spiegelpartner wird nicht antworten. Dies kann bei dem Wellensittich ein hohes Maß an Aggressionen auslösen, oder aber Trauer und Resignation. Auf jeden Fall wird er psychische Qualen leiden. Sehr gefährlich ist das Auftreten einer Kropfentzündung. Der Vogel würgt beim Füttern immer wieder angedaute Körner hoch. Da aber vom Plastik keine Antwort erfolgt, sprich die Aufnahme des Futters, wird der Wellensittich es immer und immer wieder probieren. Durch das permanente Würgen entzündet sich der Kropf, der Vogel erkrankt, kann nicht mehr selbstständig fressen und geht irgendwann jämmerlich daran zugrunde.


Abhilfe: Hier gibt es keine 2 Meinungen bezüglich der Abhilfe. Ein zweiter Wellensittich muss her.


Der folgende Satz entspricht ausschließlich meiner subjektiven Meinung als Autor und ist keiner Literatur entnommen: Wer generell einen einzelnen Wellensittich hält und erst recht o.g. Symptome auftreten, muss einen Partner besorgen. Kann der Halter sich (aus welchen Gründen auch immer ) mit diesem Gedanken nicht anfreunden, so ist es besser das Tier in andere Liebevolle Hände abzugeben, als es weiter der Qual der Einzelhaltung auszusetzen.


Falscher Standort:

Problem: Der Wellensittich macht einen kranken Eindruck. Er sitzt stark aufgeplustert mit hängendem Schwanz auf seinem Lieblingsplatz, hat die Augen halb geöffnet, und frist wenig.


Mögliche Ursache: Als Ursachen kommen jetzt unzählige Möglichkeiten in Betracht. Wenn man aber von Haltungsfehler ausgeht, könnte ein falscher Käfigstandort die Ursache sein.
Ein Käfig darf niemals in der Küche stehen. Die Dämpfe, welche beim Kochen und Braten entstehen, sind sehr schädlich für die kleine Vogellunge. Auch sollte der Käfig niemals an Orten stehen, wo geraucht wird. Ebenso kritisch ist ein Fensterplatz zu betrachten. Die Temperaturschwankungen können zwischen Sonneneinstrahlung und Bewölkung extrem schwanken, so das die ständige Umgewöhnung zum Problem wird. Auch ein Standort neben der Heizung ist nicht empfehlenswert. Die trockene , warme Heizungsluft reizt die Atemwege der Wellensittiche und kann so zu Atemwegsinfekten führen.

Abhilfe: Den Käfig anders platzieren. Einen Vogel mit Atemwegsinfekt erkennt man am rasselnden, fiependen Atemgeräusch. Er sollte baldmöglichst dem Tierarzt vorgestellt werden. Generell sollte versucht werden, die Luftfeuchte im Zimmer hoch zu halten. Dies gelingt mit Zimmerbrunnen, Schüsseln mit Wasser auf der Heizung, feuchten Handtüchern und Blumenspritzen.


Panische Angst:

Problem: Der Wellensittich hat trotz aller Vorsichtsmaßnahmen Angst und Panik. Sobald sich der Mensch dem Käfig nähert, drückt er sich ängstlich in die Ecke, oder flattert panisch umher.


Mögliche Ursache:
Das Vertrauen zum Menschen ist gestört. Wahrscheinlich hat er ziemlich früh ein traumatisches Erlebnis gehabt. Dies kann unter anderem großer Lärm, oder das Festhalten gegen seinen Willen, oder aber auch eine „Jagd“ gewesen sein, um den Vogel aus wichtigen oder leider manchmal auch unwichtigen Gründen zu fangen. Nun ist es aber so, das der gesunde und psychisch stabile Wellensittich kleinere Schocks, wie zum Beispiel das Keschern eines nichtzahmen Wellensittichs für den Tierarztbesuch in den meisten Fällen gut und schnell verarbeitet. Für anhaltende Paniken sind oftmals sich häufig wiederholende Negativerlebnisse oder tiefere Trauma verantwortlich.
Ich habe ein Negativbeispiel aus eigener Erfahrung zu berichten: Vor ein paar Wochen bekam ich 2 Abgabewellis. Die Henne machte einen sehr unselbstständigen und vor allem verstörten Eindruck. Später erzählte mir der Lebenspartner der Halterin, dass diese immer mit der flachen Hand gegen den Käfig schlug, wenn die Tiere ihr zu laut waren.

Abhilfe: Viel Geduld und Zuwendung werden hier vom Halter gefordert. Leises und ganz vorsichtiges Annähern. Leise reden und versuchen, das Tier niemals lang und penetrant anzuschauen. Denn in freier Wildbahn bedeutet dieser Blick: Feind!!!!!
Und man stelle es sich so vor: Ich habe schon Angst und dann kommt jemand, der 100 mal größer ist und starrt mich an, versucht womöglich auch noch, mich anzufassen. Da würde jeder Panik bekommen. Wenn man merkt dass der Vogel allgemein ruhiger wird, kann man ihn auch mit einem Leckerlie, aber auch langsam Schritt – für – Schritt locken.
Sollte ein panischer Vogel sich außerhalb des Käfigs befinden, ihn nicht auf Zwang jagen und versuchen in die Hand zu nehmen. Ein Kreislaufzusammenbruch und Herzinfarkt sind vorprogrammiert. Einzige Ausnahme besteht hier bei einem DRINGENDEN Tierarztbesuch. Dann aber bitte das Zimmer abdunkeln, denn dann fliegen die Vögel nicht mehr. Einen kleinen Kescher oder ein dünnes Tuch zur Hilfe nehmen. Vorher die Transportbox bereitstellen, damit der Wellensittich nicht länger als nötig im Kescher oder Tuch verbleibt.

 

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